Zwischen Elend und Krankheit: Ein Mann verstirbt vor allen in Centro Habana



Der Vorfall ereignete sich in einem sehr belebten Gebiet von Havanna.

Verstorbener Mann (i) und Polizisten, die untereinander am Tatort sprechen (d)Foto © Collage Captura von Facebook/José Daniel Ferrer

Ein Mann starb mitten auf der Straße in Centro Habana, nur wenige Meter vom Parque de la Fraternidad entfernt, und sein Körper blieb während Stunden für Passanten und Polizisten sichtbar, ohne dass er von den Behörden bedeckt oder entfernt wurde.

Das Ereignis wurde von Zeugen aufgezeichnet und in sozialen Netzwerken verbreitet, wo es Empörung und Traurigkeit unter Tausenden von Kubanern ausgelöst hat, die es als weiteres Zeichen der weit verbreiteten Vernachlässigung ansehen, unter der das Land leidet.

Der Video, der die Tragödie festhält, wurde zunächst vom kubanischen Oppositionspolitiker und ehemaligen politischen Gefangenen José Daniel Ferrer verbreitet und verbreitete sich innerhalb weniger Stunden viral in den sozialen Netzwerken.

In den Bildern hört man einen Zeugen, der die angebliche Ursache des Todes mit einem Satz zusammenfasst, der alles aussagt: „der Hunger, das Virus und die Sache”....

Es gibt keine bestätigte medizinische Diagnose, aber eine gemeinsame Gewissheit besteht: dieser Mann war ein weiteres Opfer des sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Verfalls, der Millionen in Kuba betrifft.

Auf den Bildern ist der Mann zu sehen, der sichtbar dünn und abgemagert aussieht, und neben einem Vorbau sitzt.

Er trägt eine heruntergezogene Maske und ein T-Shirt mit dem Bild von Che Guevara. Um ihn herum beobachten Dutzende von Menschen die Szene.

In den letzten Stunden wurde das Video unter anderem von dem Journalisten Mario Vallejo geteilt, der die Gleichgültigkeit anprangerte, mit der der Vorfall behandelt wurde:

Centro Habana, Kuba. Ein Mann sagt „ich fühle mich schlecht“, jemand bietet ihm einen Platz an… und dort stirbt er. Mitten auf der Straße. Vor aller Augen. Unter einer Sonne, die wie Blei auf ein land ohne Puls fällt. Das Schlimmste ist nicht der Tod. Das Schlimmste ist die Gleichgültigkeit

Vallejo kritisierte, dass der Körper stundenlang ohne medizinische Betreuung, ohne Abdeckung und ohne jeglichen Respekt seitens der Behörden ausgestellt blieb. Die Polizei scheint am Ort zu sein, ohne effektiv einzugreifen.

Die Szene spiegelt nicht nur den Zusammenbruch des Gesundheitssystems wider, sondern auch den sozialen Verfall. Der Tod, weit davon entfernt, Erschütterung auszulösen, scheint zu einem alltäglichen Ereignis geworden zu sein, dem gegenüber Resignation vorherrscht.

Der Journalist fasste es brutal zusammen:

„Die Polizei spricht, als ob vor ihnen ein toter Hund läge, nicht ein Kubaner, der bis gestern atmete, litt und durchhielt. [...] In Kuba fragt man nicht mehr, woran jemand gestorben ist. Man fragt sich, wie lange es dauern wird, bis man ihn abholt.“

Das Symbol im Symbol

Der leblos Körper, das T-Shirt mit dem Gesicht des Che, die heruntergezogene Maske, die extreme Dünnheit... Alles in dem Bild vermittelt Verfall und Vernachlässigung.

Es ist ein Bild, das den aktuellen Zustand Kubas zusammenfasst: ideologische Versprechen stehen einer Realität gegenüber, in der weder die Lebenden noch die Verstorbenen würdige Beachtung finden.

Bis jetzt wurde die Identität des Verstorbenen sowie die genauen Todesursachen nicht bestätigt.

Was jedoch klar ist, ist, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt, sondern um einen Ausdruck einer tiefen Krise, in der Armut, Unterernährung, das Fehlen von Medikamenten und das Fehlen eines Sozialschutzsystems zusammenkommen.

„So funktioniert ein gescheiterter Staat: Er verlässt die Lebenden und auch die Toten. [...] Es ist ein ganzes Land im Zustand der Vernachlässigung“, schloss Vallejo in seinem Beitrag.

Das Ereignis hat viele Kubaner berührt, die in diesem Vorfall eine Erinnerung daran sehen, wie weit die Prekarität bereits normalisiert wurde.

Der Tod dieses Cubanos, anonym und ohne Assistenz, wird somit zu einem neuen Symbol der humanitären Krise, die die Insel durchlebt, wo das Leben Tag für Tag immer weniger Wert ist und der Tod nicht mehr berührt: er bestätigt lediglich das Elend.

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