Vor wenigen Tagen fragten sich viele in den sozialen Medien, ob das Phänomen der sogenannten therians nach Kuba gelangen würde. Die Frage scheint nun nicht mehr theoretisch zu sein.
Eine kubanische Friseurin, bekannt auf Instagram als @leuryzsalon, erzählte überrascht, dass sie eine Nachricht von einer jungen Frau erhalten hatte, die einen ganz bestimmten Look wollte: keinen „Wolf Cut“, sondern einen „Fox Cut“, weil sie, wie sie erklärte, sich mit einem Fuchs identifiziert.
„Sie sagte mir, es sei nicht dasselbe, denn sie ist ein Therian“, berichtete die Stylistin in einem Video, das schnell die Runde machte. Sie gestand, dass sie anfangs dachte, es sei ein Scherz. „Ich bin Friseurin, keine Tierärztin. Das hier ist kein Hundesalon“, kommentierte sie, während sie zugab, nicht zu wissen, wie sie reagieren sollte. Trotzdem gab sie ihm einen Termin.
Die junge Frau erzählte, dass sie erklärt hat, dass sie in dieser „Welt“ gerade anfängt, ihre Identität gefunden hat und ihr Image an diese neue Sichtweise auf sich selbst anpassen möchte. Sie erwähnte sogar, dass sie sich als einen Fuchs Vulpes identifiziert, ein Begriff, den die Friseurin erst bei Google nachschlagen musste, weil sie nicht einmal wusste, auf welche Art sie sich bezog.
Aber die Geschichte endete nicht dort.
In sozialen Netzwerken begann auch das Video einer anderen jungen Kubanerin, die in Havanna lebt, die sich offen als „therian foca“ präsentiert, zu kursieren. Vor der Kamera versichert sie, dass sie zwar kein Geld hat, um sich eine Maske oder fell zu kaufen, „wegen der wirtschaftlichen Situation des Landes“, sich jedoch als eine Robbe identifiziert und sogar das Geräusch des Tieres imitiert.
Der Kontrast ist den Nutzern nicht entgangen. Während einige mit Humor reagieren, zeigen andere Verwirrung oder Besorgnis. Das Phänomen, das bereits in Ländern wie den Vereinigten Staaten, Mexiko und Argentinien viral war, beginnt nun, eigene Erfahrungsberichte innerhalb der Insel hervorzubringen.
Der Begriff therian wird verwendet, um Personen zu beschreiben, die behaupten, sich psychologisch oder spirituell mit einem Tier zu identifizieren, obwohl sie anerkennen, dass sie biologisch menschlich sind. Auf Plattformen wie TikTok und Instagram gibt es viele Videos von Jugendlichen, die Masken tragen, künstliche Schwänze haben oder tierisches Verhalten nachahmen.
In Kuba, wo sich jeder globale Trend schnell mit dem kreolischen Einfallsreichtum vermischt, hat das Thema eine Debatte eröffnet, die über die bloße Anekdote hinausgeht. Es gibt diejenigen, die die individuelle Freiheit von Identität und Ausdruck verteidigen, und solche, die der Meinung sind, es handele sich um einen extremen Trend, der von den sozialen Medien vorangetrieben wird.
Für viele ist jedoch nicht nur die tierische Identität bemerkenswert, sondern auch der kubanische Kontext, in dem dies geschieht: Jugendliche, die über Masken und Felle sprechen, inmitten einer Realität, die von wirtschaftlichen Entbehrungen, Migration und generationenübergreifender Frustration geprägt ist.
Ist es ein bloßer digitaler Trend, der bald vorübergeht? Eine Form der Identitätssuche in Zeiten der Unsicherheit? Oder der Anfang von Gemeinschaften, die ebenfalls Raum auf der Insel finden werden?
Was fern schien, klopft nun an die Tür. Und in einem Land, in dem sich jedes Phänomen innerhalb von Stunden zu einem nationalen Debatte entwickelt, fängt das Gespräch gerade erst an.
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