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Der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla hat erneut eines der klassischen Säulen der Propaganda des Regimes ausgegraben: das Mallory-Memorandum.
Laut seiner vergilbten Version wäre dieses Dokument die „Grundlage“ einer „völkermörderischen“ Politik der Vereinigten Staaten gegen Kuba. Die Behauptung ist nicht neu, aber dennoch zutiefst irreführend.
Das Memorandum, das im April 1960 von einem Mitarbeiter des Außenministeriums verfasst wurde, war kein Gesetz, keine Exekutive Anordnung und keine Regierungsentscheidung.
Es war eine interne Analyse im Kontext des Kalten Krieges, zu einem Zeitpunkt, an dem das kubanische Regime bereits mit der Enteignung amerikanischer Eigentümer begonnen hatte und sich einer strategischen Allianz mit der Sowjetunion näherte.
Es ist eine absichtliche Manipulation, diesen Text in die Ursprünge aller US-Politik gegenüber der Insel umzuwandeln.
Das Embargo entstand nicht aus einem Memorandum
Das 1962 verhängte Embargo war nicht das Ergebnis einer isolierten Empfehlung, sondern einer Kette konkreter Ereignisse.
Entre 1959 und 1960 entschädigte die kubanische Regierung Milliarden Dollar an amerikanischen Vermögenswerten - Raffinerien, Zuckerfabriken, Unternehmen - ohne angemessene Entschädigung. Als Reaktion darauf hob Washington die Zuckerquote für Kuba auf, eine der Hauptquellen für Devisen des Landes.
Havanna reagierte, indem es seine Abhängigkeit von der Sowjetunion vertiefte und wirtschaftliche sowie militärische Abkommen unterzeichnete. Inmitten des Kalten Krieges wurde die Stationierung eines sowjetischen Verbündeten 90 Meilen von den Vereinigten Staaten als direkte strategische Bedrohung angesehen.
Dieser Kontext —nicht ein Dokument— erklärt das Embargo. Es darauf zu reduzieren, das Mallory-Memorandum zu betrachten, ist kein Fehler: es ist Propaganda.
Ein nützliches Dokument zur Erstellung einer Erzählung
Der Text von Mallory vermittelt eine klare Idee: wirtschaftlichen Druck zu nutzen, um das kubanische Regime zu schwächen. Das macht das Dokument jedoch nicht zum „Handbuch“ für das Embargo oder zur Ursache der kubanischen Krise.
Das Regime nutzt es, weil es perfekt in seine Erzählung passt: einen allmächtigen externen Feind, dem alle inneren Probleme zugeschrieben werden. Die Daten widerlegen jedoch diese Erzählung.
Seit über 60 Jahren hat das kubanische Wirtschaftsmodell gezeigt:
- Chronisch niedriges oder negatives Wachstum
- Strukturelle Abhängigkeit von externen Subsidien (zuerst URSS, dann Venezuela)
- Produktionszusammenbruch in Schlüsselbereichen wie der Landwirtschaft und der Zuckerindustrie
- Misslungene Währungsdualität und unvollständige wirtschaftliche Reformen
Selbst in Zeiten der Lockerung von Sanktionen – wie während der Obama-Administration – konnte die kubanische Wirtschaft nicht abheben oder nachhaltigen Wohlstand schaffen.
Das Victimismus als staatliche Politik
Die Rede von Rodríguez Parrilla insistiert auf Begriffen wie „energetische Belagerung“, „kognitive Kriegsführung“ oder „genozidaler Blockade“. Es handelt sich nicht um technische Sprache: Es ist eine politische Sprache, die darauf abzielt, Unterstützung zu mobilisieren und Verantwortlichkeiten abzulenken.
Das Bezeichnen einer wirtschaftlichen Sanktionspolitik als „Völkermord“ ist nicht nur aus internationaler rechtlicher Sicht falsch, sondern banalisiert einen Begriff, der für Verbrechen des Völkermords reserviert ist.
In der Zwischenzeit weicht das Regime wichtigen Fragen aus: Warum produziert Kuba nicht genug Lebensmittel? Warum ist es nach Jahrzehnten staatlicher Kontrolle von Grundnahrungsmitteln abhängig? Warum kommen die Wirtschaftsreformen immer zu spät oder werden zurückgenommen?
Die Antwort liegt nicht in Washington, sondern in Havanna und dem über Jahrzehnte errichteten totalitären kommunistischen Regime, das sich jetzt zersetzt und die Gewalt sowie die Korruption verschärft.
Das wahre Problem, das sie nicht eintauschen wollen
Das Mallory-Memorandum ist ein relevantes historisches Dokument, doch seine Verwendung als vollständige Erklärung der kubanischen Krise ist eine politische Strategie, keine ernsthafte Analyse.
Sechs Jahrzehnte später greift das Regime weiterhin auf dasselbe Argument zurück, da es ihm ermöglicht, das Wesentliche zu umgehen: anzuerkennen, dass das in Kuba auferlegte wirtschaftliche und politische Modell gescheitert ist.
Y dass, über externe Sanktionen hinaus, dieses Versagen hat interne Verantwortliche.
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