Der argentinische Abgeordnete Juan Grabois erklärte am Dienstag, dass er nach Kuba gereist sei, um „sich mit einem brüderlichen Volk zu solidarisieren, das einer unerträglichen Belagerung und der Bedrohung einer Invasion ausgesetzt ist“.
In einer Nachricht, die nach einem Treffen mit Miguel Díaz-Canel veröffentlicht wurde, erklärte er, dass das Embargo der Vereinigten Staaten “bereits brutal und illegal” sei, aber die neuen Maßnahmen, die von Präsident Donald Trump initiiert wurden, ein “Verbrechen gegen das Völkerrecht” darstellen, das in einer “schweren humanitären Krise” enden könnte.
Grabois stellte in Frage, dass Kuba eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellt, und argumentierte, dass es die Pflicht der „Patria Grande“ sei, die Isolation der Insel zu brechen.
„Kuba zu verteidigen heißt, Lateinamerika zu verteidigen“, schrieb er und betonte dabei die Selbstbestimmung der Völker sowie den Frieden zwischen den Nationen als übergeordnete Werte, die über jede Ideologie hinausgehen.
Der argentinische Linksführer hat sich bemüht, in den sozialen Medien die Debatte über das, was in Kuba passiert, voranzubringen. Dennoch hat seine lateinamerikanische Rhetorik die Kubaner, die innerhalb und außerhalb der Insel für den politischen Wandel rufen, nicht berührt.
Politischer Tourismus in Kuba: Offizielle Treffen und kulturelle Agenda in Havanna
Während seines Aufenthalts in Havanna entwickelte der argentinische Abgeordnete ein umfangreiches Programm offizieller Aktivitäten. Er wurde im Kapitol von Ana María Mari Machado, der Vizepräsidentin der Nationalversammlung der Volksmacht, empfangen, die ihm für seine “Solidarität mit Kuba” dankte und die Bereitschaft äußerte, die interparlamentarischen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu stärken.
Grabois traf auch ein Treffen mit Díaz-Canel und teilte öffentlich Bilder von einem Treffen mit dem Sänger Silvio Rodríguez, den er als eine Figur beschrieb, die sich für den „Frieden und die Souveränität der lateinamerikanischen Völker“ einsetzt.
Reaktionen und Kritiken in den sozialen Medien zum Besuch des Argentiniers
Der Besuch blieb in den sozialen Netzwerken nicht unbemerkt. In den Kommentaren zu seinen Veröffentlichungen bezeichneten mehrere Nutzer ihn als „Tourist der Misere“ und hinterfragten, dass Führer der lateinamerikanischen Linken das Regime unterstützen, anstatt politische Veränderungen zu fordern, die es den Bürgern ermöglichen, ihre Zukunft frei zu wählen.
Einige Nachrichten forderten, dass die internationale Unterstützung sich auf das kubanische Volk konzentrieren sollte und nicht darauf, die alten Machtstrukturen aufrechtzuerhalten, angesichts der tiefen Krise in Kuba, die von langanhaltenden Stromausfällen, Treibstoffmangel und Schwierigkeiten beim Zugang zu Nahrungsmitteln und grundlegenden Dienstleistungen geprägt ist.
Tourismus, um die Krise in Kuba aus nächster Nähe zu erleben und zu sehen, wie sie dem Blick auf das Öl standhält
Der Besuch des argentinischen Abgeordneten erfolgt zu einem der komplexesten Momente für die kubanische Wirtschaft in den letzten Jahren. Die Reduzierung und anschließende Unterbrechung der Öllieferungen aus Venezuela hat die bereits schwierige Energiesituation der Insel verschärft.
Hinzu kommen die Zölle, die seit Januar von den Vereinigten Staaten auf die Länder erhoben wurden, die mit Kuba Öl handeln. Der „Ölverschluss“ verschärft die Krise, ist jedoch nicht die Ursache für die Stromausfälle, die Unproduktivität oder den Anstieg der extremen Armut in Kuba.
Die Einschränkungen haben sich direkt auf die Stromerzeugung und den Transport ausgewirkt, haben jedoch lediglich eine Wirtschaftskrise vertieft, die seit 2019 besteht.
Die Regierung von Miguel Díaz-Canel hinterlässt auf der Insel eine massive Migration, eine alternde Bevölkerung, das Land ohne Produktionskräfte und tausende von Jugendlichen, die aufgrund ihrer politischen Überzeugungen eingesperrt sind, weil sie Freiheit fordern, im weitesten Sinne des Wortes.
In diesem Szenario wurde die Anwesenheit des Argentiniers Juan Grabois als politisches Zeichen der Unterstützung für die kubanische Diktatur interpretiert, während ein großer Teil der Bevölkerung den Alltag unter zunehmend prekären Bedingungen bewältigt.
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