Die kubanische Influencerin Anna Sofía Benítez, bekannt in den sozialen Medien als Anna Bensi, sorgte erneut für Aufregung mit einem Video, über das viele bereits innerhalb und außerhalb der Insel sprechen.
Unter dem Titel „Reflexiones del diario | Teil 2: „Bequeme Blindheit“ verwandelt sich die junge Habanerin in zwei Charaktere: Interviewerin und Interviewte. Das Ergebnis ist ein Stück, das voller Ironie steckt, aber auch eine scharfe Kritik an der Realität ist, mit der Unternehmer, Künstler und Kreative in Kuba konfrontiert sind.
Im Video spielt Bensi eine angebliche Inhaberin eines Mipyme, die über "Fülle-Mentalität" und Opferbereitschaft spricht, während die Interviewerin sie mit unangenehmen Fragen darüber konfrontiert, wie man im Land tatsächlich Wohlstand erreicht.
Zwischen Sarkasmus und scharfen Worten zeichnen sich drei mögliche Wege ab, um wirtschaftlich zu überleben: die Unterstützung von außen, das „Inventar“, das an der Illegalität kratzt, und das bequeme Schweigen gegenüber der Macht.
Der angespannteste Teil kommt, als der Charakter es vermeidet, über Politik zu sprechen. „Ich bin keine Politikerin“, wiederholt sie. Die Interviewerin erinnert sie dann an eine Realität, die viele Kubaner nur zu gut kennen: In der Insel hat abweichende Meinungsäußerung Konsequenzen.
„Sag mir, welcher abweichende Künstler sein Kunstwerk offen fördern kann. Nenn mir ein MIPYME, das einem Opponenten gehört“, entgegnet er. Das anschließende Schweigen wiegt schwerer als jede Antwort.
Mit dieser Inszenierung spricht Bensi ein sensibles Thema an: die Neutralität in einem Kontext, in dem die Kosten für eine eigene Meinung der Verlust des Arbeitsplatzes, des Geschäfts oder der Freiheit sein können. Die junge Frau ironisiert über diese „ideologische Bindehautentzündung“, die es erlaubt, Strände und Hotels zu sehen, aber nicht die, die Proteste unterdrücken.
Das Video kommt nicht im luftleeren Raum. In den letzten Wochen hat die Influencerin die Festnahme der jungen Kreativen Kamil Zayas und Ernesto Ricardo Medina, vom unabhängigen Projekt El 4tico, angeprangert und ihnen eine öffentliche Hommage gewidmet.
In einem kürzlichen Interview mit der spanischen Zeitung El Mundo erklärte sie, dass sie die Angst hinter sich gelassen hat, da sie der Meinung ist, dass Freiheit wichtiger ist als Stille.
Diese Haltung hat Konsequenzen für sie gehabt. Wie sie berichtet hat, wurde sie so stark unter Druck gesetzt, dass sie ihren Job aufgegeben hat, leidet unter Internetausfällen und Überwachung in ihrem Viertel Alamar. Sie hat auch die prekären Bedingungen beschrieben, unter denen sie in ihrem Haus lebt, mit langen Stromausfällen und Lebensmittelknappheit.
Aber in „Ciegos a conveniencia“ liegt der Fokus nicht auf seiner persönlichen Situation, sondern auf einer Frage, die unter vielen Kubanern Widerhall findet: Ist es möglich, in Kuba zu gedeihen, ohne die Augen vor dem Geschehenen zu verschließen?
Mit 21 Jahren ist Anna Bensi zu einer der sichtbarsten jungen Stimmen in den sozialen Netzwerken auf der Insel geworden. Mit scharfem Humor und direkter Sprache verbindet sie sich mit einer Generation, die von Stromausfällen, unzureichenden Gehältern und dem ständigen Dilemma zwischen Gehen oder Bleiben geprägt ist.
Dieses Mal hat sie nicht nur den Mangel oder die Krise angeprangert, sondern auch auf eine tiefere Wunde hingewiesen: das bequeme Schweigen gegenüber der Realität. Eine Reflexion, die für viele weit über die sozialen Netzwerke hinausgeht.
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