Inmitten der schlimmsten Krise, die Kuba seit Jahrzehnten erlebt, und unter zunehmendem Druck aus Washington reagierte Miguel Díaz-Canel mit offensichtlicher Verärgerung, als eine amerikanische Journalistin ihn fragte, ob er bereit wäre, die Macht aufzugeben, „um das Land zu retten“.
Die Szene fand während eines bisher unveröffentlichten Interviews statt, das NBC News gewährt wurde, dem ersten eines kubanischen Regierungschefs im amerikanischen Fernsehen seit 1959.
Die Journalistin Kristen Welker, Moderatorin von „Meet the Press“, stellte eine direkte Frage, die eine der größten Spannungen im aktuellen politischen Szenario anspricht: die Verweildauer des Staatschefs in der Machtmitte des wirtschaftlichen und energetischen Zusammenbruchs, unter dem die Kubaner leiden.
Die Antwort ließ keinen Raum für Interpretationen.
„In Kuba werden die Personen in Führungspositionen nicht von der US-Regierung gewählt“, antwortete Díaz-Canel sichtbar unbehaglich und betonte, dass die Insel „ein freier und souveräner Staat“ sei und nicht „den Launen der Vereinigten Staaten unterworfen“ sei.
Aber er wurde noch deutlicher, als er die Idee abschloss: „Aufgeben gehört nicht zu unserem Wortschatz.“
Ihre Worte erreichen einen äußerst sensiblen Moment für die Insel, in dem die Bevölkerung mit Stromausfällen von bis zu 24 Stunden, Nahrungsmittelknappheit und einer Wirtschaft konfrontiert ist, die sich in den letzten Jahren drastisch zusammengezogen hat.
Gleichzeitig hat der internationale Druck zugenommen. Die Verwaltung von Donald Trump hat ihre Politik gegenüber Havanna verschärft, mit neuen Sanktionen und einer immer direkteren Rhetorik über einen möglichen politischen Wandel in Kuba.
Der US-amerikanische Präsident selbst hat Kuba als eine „geschwächte Nation“ bezeichnet und angedeutet, dass die Zukunft des Landes durch eine „Machtübernahme“ entschieden werden könnte, was das politische Klima weiter angespannt hat.
In diesem Kontext zielt das Interview von Díaz-Canel nicht nur darauf ab, ein Bild nach außen zu projizieren, sondern auch auf eine internationale Erzählung zu reagieren, die seine Amtszeit in Frage stellt, während Millionen von Kubanern täglich mit der Krise zu kämpfen haben.
Der Austausch mit NBC verdeutlicht etwas Tieferes: den Konflikt zwischen externem Druck und der inneren Realität eines Landes, in dem immer mehr Bürger sich fragen, wie viel länger man widerstehen kann.
In der Zwischenzeit bleibt die Botschaft von der Macht unverändert: Es wird keinen Rücktritt geben.
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