Die Verzweiflung über die Stromausfälle ist in Havanna erneut ausgebrochen. Nach endlosen Stunden ohne Elektrizität veranstalteten Anwohner des Reparto Bahía am Dienstagabend einen neuen Volksprotest, mitten in der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung angesichts der Energiekrise, die Kuba trifft.
Ein Video, das von der Aktivistin Lara Crofs verbreitet wurde, zeigt die angespannte und herausfordernde Atmosphäre im habanischen Viertel, während Töpfe, Trompeten und Parolen gegen das Regime zu hören sind. „Hoch lebe mein Havanna, es sind sie oder wir“, schrieb Crofs zusammen mit dem Slogan „Nieder mit der Diktatur!“.
Die Protestaktion findet nur einen Tag nach einem weiteren cacerolazo in Luyanó statt, bei dem Anwohner die Calzada de Concha blockierten, um gegen Stromausfälle zu protestieren, die in einigen Bereichen der Hauptstadt bereits über 20 Stunden pro Tag dauern.
Die in sozialen Netzwerken geteilten Bilder spiegeln eine immer häufiger werdende Szene in Kuba wider: Bürger, die von ihren Häusern oder mitten auf der Straße Töpfe schlagen, die Angst herausfordernd und ihren Erschöpfungszustand angesichts einer Situation zum Ausdruck bringend, die sie als unhaltbar betrachten.
Der Unmut fällt mit einem der schlimmsten Tage der Energiekrise im Jahr 2026 zusammen. Laut dem neuesten Bericht der Unión Eléctrica (UNE) projektiert Kuba für diesen Dienstag ein Defizit von 1.960 MW während der nächtlichen Spitzenzeiten, mit einer Verfügbarkeit von apenas 1.290 MW im Vergleich zu einer geschätzten Nachfrage von 3.250 MW.
Die voraussichtliche Beeinträchtigung beträgt 1.990 MW, was bedeutet, dass praktisch zwei Drittel des Landes ohne Strom bleiben.
Seit den frühen Morgenstunden dieses Dienstags waren bereits 1.649 MW betroffen. Am Montag überstieg die maximale Betroffenheit 2.000 MW, eine der höchsten Zahlen, die in den letzten Monaten verzeichnet wurden.
Der Zusammenbruch des elektrischen Systems wird durch zahlreiche Störungen in thermischen Kraftwerken und die Benzin- und Kraftstoffknappheit verschärft. Mehrere Einheiten sind in den Anlagen von Mariel, Renté, Nuevitas, Felton und Santiago de Cuba außer Betrieb, während die Einspeisung aus den Sonnenparks nicht ausreichend ist, um den nächtlichen Bedarf zu decken.
Kuba hat in den letzten 18 Monaten mindestens sieben totale Zusammenbrüche des Stromsystems erlitten. Der schwerste ereignete sich am 16. März 2026, als ein landesweiter Stromausfall das Land fast 30 Stunden lang im Dunkeln ließ.
Für Tausende von Kubanern ist der Stromausfall nicht mehr nur eine alltägliche Unannehmlichkeit: Er ist zum Auslöser einer sozialen Empörung geworden, die wieder in den Straßen Havannas zu hören ist.
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