Eine Kubanerin verwendete die Blätter des Diario del Che en Bolivia, um ihren Kohleofen anzuzünden. Das Video hat sich auf Facebook viral verbreitet und fängt mit einem brutalen Bild die Energiekrise ein, unter der die Insel leidet.
In der Aufnahme reißt die Frau Seiten aus dem Buch und steckt sie zwischen die Kohlen, während sie ihren Zorn über die revolutionäre Erzählung ablässt, die sie ihr ganzes Leben lang begleitet hat.
«Das ist ein Buch, mit dem man mich so viele Jahre lang getäuscht hat, indem man sagte, der Che sei gut und meine Kinder sollten wie der Che sein. Schau, wozu mir das Tagebuch des Che gedient hat.»
Die Geste fasst zwei zeitgleiche Realitäten zusammen. Einerseits die Verzweiflung von Millionen Kubanern, die jedes brennbare Material suchen, um zu kochen. Andererseits die ausdrückliche Ablehnung jahrzehntelangen Dogmatismus, repräsentiert durch eine Figur, die das Regime in ein obligatorisches Symbol seiner Schulen und politischen Veranstaltungen verwandelt hat.
Der Tagebuch des Che in Bolivien wurde 1968 von der Regierung Fidel Castros veröffentlicht und enthält die persönlichen Notizen von Ernesto Guevara während der gescheiterten Guerillakampagne, die mit seiner Erfassung und Hinrichtung im Oktober 1967 endete.
Während Jahrzehnten wurde das Buch in Kuba massenhaft verteilt, um Teil der schulischen Indoktrination zu sein, und der Slogan „Wir werden wie der Che sein“ prägte die ideologische Bildung ganzer Generationen.
Die ständigen Stromausfälle zwingen die Kubaner dazu, improvisierte Möglichkeiten zu finden, um mit Kohle zu kochen, während das Regime keine realen Lösungen für die Krise anbietet.
Das Buch, das das kubanische Bildungssystem über Jahrzehnte als moralische Anleitung für den «neuen Menschen» präsentierte, stellte sich für diese Frau als das einzige heraus, was sie zur Hand hatte, um den Topf zu erhitzen.
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