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Das offizielle Organ der Kommunistischen Partei von Kuba, Granma, veröffentlichte am Montag einen Text, der auf den ersten Blick wie ein Informationsbericht über die Verbreitung des Mosquitos Aedes aegypti und die Ausbreitung von Arbovirosen im Land erscheint.
Doch es genügt, zwischen den Zeilen —oder eher zwischen den Stille— zu lesen, um zu verstehen, dass es sich nicht um ein journalistisches Unterfangen handelt, das darauf abzielt zu informieren, sondern um eine sorgfältig gestaltete politische Botschaft: den Schlag abmildern, die Straflosigkeit bewahren und die Verantwortung des Staates auf die Bürger verlagern.
Die Passage beginnt mit einem Satz, der eine Riss im offiziellen Diskurs darstellen könnte: “Die Verantwortung liegt nicht ausschließlich beim Gesundheitssystem, sondern erfordert eine organisierte gesellschaftliche Mobilisierung, um die Infektionsraten zu senken.”
Der Satz verspricht eine Reflexion über die institutionelle Verantwortung, aber das Versprechen hält nur so lange, wie man braucht, um ihn zu lesen.
Der Artikel, unterzeichnet von der Journalistin Wennys Díaz Ballaga, geht niemals auf diese Idee zurück. Es gibt keine Analyse der Fehler des Ministeriums für öffentliche Gesundheit (MINSAP), noch seiner strukturellen Mängel, noch der Ineffizienz seiner Gesundheitskontrollkampagnen.
Die kurze Erwähnung im einleitenden Abschnitt des Artikels über eine „nicht ausschließliche Verantwortung des Gesundheitssystems“ verdampft in der Luft, als wäre sie nur platziert worden, um Selbstkritik zu simulieren und externe Kritik zu entschärfen.
Eine Propagandaaktion
Mehr als nur zu informieren, erfüllt der Text von Granma eine politische Funktion: das MINSAP abzusichern, Minister José Ángel Portal Miranda —zunehmend abwesend aus der öffentlichen Debatte— zu schützen und die Erzählung aufrechtzuerhalten, dass die Kubaner Mitschuld am Desaster tragen.
Die Technik ist bekannt: das Opfer zum Schuldigen machen. Anstatt Verantwortung zu übernehmen oder Fehler anzuerkennen, reproduziert das staatliche Mediensystem ein Handbuch der „geteilten Verantwortung“, das in der Praxis nichts teilt.
Nach dieser Logik ist die Epidemie nicht das Ergebnis mangelnder Planung, von Haushaltskürzungen, Korruption oder institutionellem Versagen, sondern resultiert aus der Nachlässigkeit von Familien, die ihre Wassertanks nicht reinigen oder den Einsätzen der Sprühteams keinen Zugang gewähren.
Es handelt sich um ein diskursives Muster, das das Regime seit Jahrzehnten verwendet: die Verantwortlichkeit zu umgehen und die eigenen Misserfolge in angebliche Mängel des Volkes umzuwandeln.
Die "organisierte soziale Mobilisierung", die Granma verlangt, ist kein ziviler Aufruf, sondern ein Gehorsamsbefehl. Der Staat entzieht sich jeglicher Verantwortung, während er Disziplin und Schweigen als Preis für das Überleben fordert.
Der unsichtbare Minister und die gehorsame Presse
Mientras Millionen von Kubanern fragen, wo José Ángel Portal Miranda —der politische Verantwortliche des Gesundheitssystems— ist, agiert die offizielle Presse als Rauchvorhang.
Nicht einmal eine Erwähnung des Ministers. Nicht einmal ein Verweis auf seine Abwesenheit. Kein Wort über seine Pflicht zu erklären, warum das Land vor einer beispiellosen Gesundheitskrise steht.
En jedem anderen Kontext würden die Medien Rechenschaft von ihren Behörden verlangen. In Kuba sind die Medien die Behörden. Granma untersucht nicht, spricht frei; prüft nicht, rechtfertigt.
Die staatliche Presse fungiert als Kommunikationsabteilung der Kommunistischen Partei, die nicht dazu dient, zu informieren, sondern diejenigen zu schützen, die gegenüber der Bürgerschaft zur Verantwortung gezogen werden sollten.
Strategie der Entverantwortung
Der Artikel des offiziellen Organs ist ein paradigmatisches Beispiel für den Propagandamechanismus, den das Regime in Krisenzeiten anwendet: ein Problem teilweise anzuerkennen, um es dann in einer Masse diffuse Schuldiger aufzulösen.
Es ist die alte Taktik von „Wir sind alle verantwortlich“, die in Wirklichkeit bedeutet: „Niemand in der Macht ist es.“
Así rendet das MINSAP keine Rechenschaft, der Minister taucht nicht auf, Miguel Díaz-Canel erkennt das Ausmaß der Katastrophe nicht, und die Bevölkerung — bereits erschöpft von der Knappheit, dem Hunger und den Stromausfällen — trägt letztlich die Schuld für eine gesundheitliche Notlage, die sie nicht verursacht hat.
Zwischen Stille und Zwang
Lo que Granma als „gesellschaftliche Mobilisierung“ bezeichnet, ist im Wesentlichen eine Kontrollstrategie. Es geht nicht um Teilnahme, sondern um Gehorsam; nicht um Mitverantwortung, sondern um Aufzwingung.
Der Text erinnert daran, dass die Beschädigung „obligatorisch“ ist und dass sich ihr zu widersetzen ein Verbrechen darstellt. Diese Warnung, die mitten im Artikel platziert ist, offenbart den wahren Geist der Botschaft: Der Staat dialogiert nicht, er ordnet an.
Die Transparenz und die Rechenschaftspflicht, nur kurz erwähnt, sind Konzepte, die dem politischen Handeln des Regimes fremd sind. Stattdessen zieht die offizielle Maschine präventive Propaganda vor: Besorgnis vortäuschen, um Kritik zu entschärfen, und Angst säen, um die Kontrolle zu gewährleisten.
Währenddessen verschärft sich die epidemiologische Krise und das kubanische Volk bleibt einmal mehr ohne Antworten. Denn im heutigen Kuba gibt der Staat, wo er Erklärungen abgeben sollte, nur Befehle. Und wo er Verantwortung übernehmen sollte, verteilt er Schuld.
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