Der kubanische Influencer und Humorist José Ernesto González, besser bekannt in den sozialen Medien als Carnota, richtete eine direkte Botschaft an die Jugend der Insel und forderte sie auf, ihre Ängste zu überwinden und ihr Recht auf freies Denken und Ausdruck zu verteidigen: "Von einem freien, wohlhabenden und chancenreichen Kuba zu träumen, ist kein Verbrechen, sondern ein Recht".
Durch ein Video, das auf Instagram veröffentlicht wurde, sprach Carnota über die Angst, die, wie er erklärte, eine ganze Generation von Kubanern prägt.
„Ich weiß, dass viele Angst haben. Angst zu sprechen, Angst eine Meinung zu äußern, Angst zu sagen, was sie wirklich fühlen“, betonte er und wies darauf hin, dass dieses Schweigen nicht zufällig sei, sondern das Ergebnis jahrelanger Druckausübung und Kontrolle.
Die Botschaft, durchzogen von einem emotionalen und politischen Ton, soll diesen Zyklus durchbrechen. „Deine Stimme zählt ebenfalls“, betonte er und erinnerte daran, dass Millionen von Kubanern im In- und Ausland denselben Wunsch nach Veränderung teilen.
Ein Video, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet
Das audiovisuelles Material beginnt mit Bildern von Carnota selbst während der Proteste am 11. Juli 2021 in Kuba, als er seine Absicht ankündigte, an den Demonstrationen in Havanna teilzunehmen.
Jener Tag, der als Wendepunkt in der jüngeren Geschichte Kubas gilt, hinterließ Hunderte von Festgenommenen und prägte eine Generation nachhaltig.
In seiner aktuellen Botschaft erkennt der Influencer an, dass ihn die Erinnerung an diesen Moment nicht stolz macht, sondern traurig. Er erklärt, dass viele derjenigen, die auf die Straßen gegangen sind, weiterhin inhaftiert sind, insbesondere junge Menschen, während sich die Situation im Land weiterhin verschlechtert.
Das Video enthält zudem Bilder von Festnahmen während dieser Proteste, was die Vorstellung eines Landes verstärkt, in dem das Äußern von Unzufriedenheit schwerwiegende Konsequenzen haben kann.
Eine Anklage der Gegenwart auf der Insel
Carnota beschrieb auch den aktuellen Kontext, in dem die Kubaner im Land leben: längere Stromausfälle, Nahrungsmittel- und Treibstoffknappheit sowie zunehmend schwierige Lebensbedingungen.
„Es ist bedauerlich, die Wahrheit“, sagte er und bezog sich auf die Stromausfälle, die ganze Familien ohne die Möglichkeit lassen, Lebensmittel zu lagern oder ein stabiles Alltagsleben zu führen.
Trotz dieses Szenarios betonte der Influencer, dass Veränderung möglich ist und näher, als viele glauben. "Ich weiß, dass wir immer näher kommen, und Kuba wird frei sein", versicherte er.
Eine Botschaft an die Jugend
Der Schwerpunkt seiner Intervention war ein direkter Appell an die kubanische Jugend.
Carnota betonte, dass Angst verständlich ist, sie jedoch nicht lähmen darf. "Es ist das Ergebnis von Jahren des Drucks, von Jahren der Indoktrination und der Lehre, dass die beste Möglichkeit darin besteht, zu schweigen", erklärte er.
Angesichts dessen brachte er eine klare Idee vor: Sie sind nicht allein.
"Viele Menschen denken wie du, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Insel", betonte er und hob hervor, dass es eine große Gemeinschaft gibt, die den Wunsch nach einer anderen Zukunft teilt.
Für ihn verdient die neue Generation Chancen, Freiheit und die Möglichkeit, ihr eigenes Schicksal ohne Einschränkungen zu gestalten. "Sie verdient es, aus dieser Blase herauszukommen", sagte er und bezog sich dabei auf die Isolation und die Einschränkungen, die seiner Meinung nach das System auferlegt.
Von den Protesten ins Exil
Die Stimme von Carnota erhält durch ihre eigene Geschichte ein besonderes Gewicht. Ein Jahr nach den Protesten vom 11. Juli verließ sie Kuba inmitten einer beispiellosen Migrationswelle.
Im Juni 2022 kam er in die Vereinigten Staaten nach einem Weg, der seinen Aufenthalt in Mexiko umfasste, wo er mit seinen Followern die Details seiner Abreise von der Insel teilte.
Sein Abschied war von Emotionen und Unsicherheit geprägt. In diesem Moment äußerte er den Schmerz, sein Land, seine Familie und einen wichtigen Teil seines Lebens hinter sich zu lassen.
Seitdem hat er seine Karriere in den sozialen Medien fortgesetzt, wo er Hunderttausende von Followern gewonnen hat und seine Plattform nicht nur für Humor, sondern auch für Meinungen zur kubanischen Realität nutzt.
Eine Stimme, die auf Veränderung drängt
Die jüngste Botschaft bestätigt eine Entwicklung in seiner Aussage: von einem Schöpfer humoristischer Inhalte zu einer Figur, die auch eine politische und soziale Erzählung artikuliert.
Sein letzter Aufruf fasst diese Transformation zusammen: die Freiheit zu verteidigen, zu denken, zu sprechen und zu träumen.
„Lass dir von niemandem einreden, dass es falsch ist, nach einer besseren Zukunft zu streben“, äußerte er/sie.
In einem Kontext, in dem viele junge Menschen vor der Entscheidung zwischen Stille oder Emigration stehen, wollen ihre Worte einen dritten Weg aufzeigen: den der furchtlosen Ausdrucksweise.
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