
Verwandte Videos:
Der kubanische Regierungschef Miguel Díaz-Canel schloss sich öffentlich dem kriegerischen Diskurs Raúl Castros an, indem er auf seiner X-Seite den Schluss einer vom General an die Ostarmee gesendeten Botschaft teilte, in der dazu aufgerufen wird, “jeder feindlichen Aggression entgegenzutreten, bis wir den Sieg errungen haben”.
Es war kein geringfügiges Zeichen. Es war, erneut, die Bestätigung dessen, wer im Machtspiel den Ton angibt.
Die Botschaft von Raúl Castro, verbreitet durch das Ministerium der Revolutionären Streitkräfte (MINFAR) und im Nationalen Nachrichtenbulletin verlesen, wurde anlässlich des 65. Jahrestages der Ostarmee, einer der wichtigsten militärischen Strukturen des Landes, veröffentlicht. Obwohl der historische Führer bei der in Holguín veranstalteten Feier nicht anwesend war, war seine Botschaft dennoch präsent.
Der vom Staatsoberhaupt ausgewählte Abschnitt lässt keinen Raum für Zweifel, da er als ein direkter Aufruf zur Konfrontation im Namen der Verteidigung der „sozialistischen Heimat“ betrachtet wird.
Aber jenseits der Rhetorik ist der Zeitpunkt, an dem diese Ausrichtung erfolgt, entscheidend.
Kuba erlebt eine seiner schlimmsten Krisen seit Jahrzehnten. Stromausfälle von bis zu 20 Stunden, Nahrungsmittelknappheit, ein maroder Transport und eine Migrationsströme, die das Land ausbluten, gehören zum Alltag von Millionen Kubanern. In diesem Kontext wendet sich die offizielle Rhetorik erneut dem Thema Krieg zu.
Es ist nicht das erste Zeichen. In den letzten Wochen hat Díaz-Canel eine Erzählung extremer Widerstandsfähigkeit wiederholt, sogar indem er den Gedanken an das Sterben für die Heimat anführt. Und jetzt, mit dieser Geste, verstärkt er eine Botschaft, die nicht von ihm stammt, sondern von der historischen Machtspitze.
Weil klar wird, dass Raúl Castro, selbst ohne öffentlich aufzutreten, weiterhin den politischen und militärischen Ton im Land angibt. Wie auch in anderen Fällen funktionieren seine Briefe als symbolische Kommandolinie, während Díaz-Canel mehr als Sprecher denn als autonome Führungsperson agiert.
Der Detail ist nicht unerheblich: Der eigene Raúl, mit 94 Jahren und einem zunehmend abwesenden Profil, bleibt an der Spitze des Nationalen Verteidigungsrats, dem Gremium, das im Falle eines Kriegszenarios die totale Kontrolle übernehmen würde.
Und während die Macht darauf besteht, von externen Bedrohungen und militärischer Vorbereitung zu sprechen, ist die Sorge auf der Insel eine andere: am nächsten Tag zu überleben.
Da liegt die wahre Spannung. Nicht zwischen Kuba und einem äußeren Feind, sondern zwischen dem offiziellen Diskurs und der Realität einer erschöpften Bevölkerung.
Archiviert unter: