Die Spannung war diesen Dienstag erneut in Havanna spürbar. Anwohner von Marianao organisierten eine neue nächtliche Protestaktion mit Töpferklappern, Lagerfeuern und Müllverbrennung, inmitten des zunehmenden Verzweiflungsgefühls wegen der Stromausfälle, die die kubanische Hauptstadt seit Wochen plagen.
Die Bilder, verbreitet von dem Oppositionellen Eliecer Ávila Cicilia, zeigen mehrere Feuerstellen am Straßenrand, während Dutzende von Menschen in völliger Dunkelheit auf der Straße bleiben. In den Videos sind auch das Schlagen von Kochtöpfen und Protestschreie zu hören, ein weiteres Zeichen des zunehmenden sozialen Unmuts, der die Insel durchzieht.
„Es wurde ein Cacerolazo in Marianao gemeldet“, schrieb Ávila in den sozialen Medien zusammen mit den Aufnahmen, die von Anwohnern der Gegend geteilt wurden.
Die Szene spielt sich gerade einige Stunden nach einem weiteren Protest in Luyanó und dem Reparto Bahía ab, wo auch Einwohner gegen die langen Stromausfälle protestierten, die in mehreren Stadtteilen Havannas bereits über 20 Stunden täglich andauern.
In den Bilder von Marianao sind Lagerfeuer entlang der Straße zu sehen, Menschen, die sich in Gruppen versammeln, und eine starke Rauchentwicklung, die die Nacht erhellt. Obwohl in den verbreiteten Videos keine direkte Polizeipräsenz zu erkennen ist, spiegelt die Atmosphäre dasselbe Muster wider, das sich in verschiedenen Stadtteilen Havannas wiederholt: Nachbarn, die der Angst trotzen und öffentlich ihre Erschöpfung angesichts einer Krise zum Ausdruck bringen, die scheinbar keinen unmittelbaren Ausweg hat.
Der neue Ausbruch ereignet sich in einer der schlimmsten Wochen für das nationale elektroenergetische System im bisherigen Verlauf des Jahres 2026. Die Unión Eléctrica (UNE) prognostizierte für diesen Dienstag ein Defizit von nahezu 2.000 MW während der nächtlichen Spitzenzeiten, was dazu führt, dass ein großer Teil des Landes ohne Strom bleibt.
Die Ausfälle in mehreren thermischen Kraftwerken, kombiniert mit dem Mangel an Brennstoffen, haben die Energiekrise verschärft, die Millionen von Kubanern zwischen Stromausfällen, extremer Hitze und verderbenden Lebensmitteln festhält.
In den letzten Monaten haben sich die Topfgeräusche und Straßenblockaden in Gemeinden wie Diez de Octubre, Cerro, La Güinera, Alamar, Santos Suárez und Playa vervielfacht. In vielen Fällen endeten die Proteste mit Polizeieinsätzen und Verhaftungen.
Für tausende kubanische Familien ist der Stromausfall kein rein häusliches Problem mehr, sondern ein Symbol für den allgemeinen Verfall des Landes geworden. Jede Nacht des Blackouts scheint auch einen neuen Funken der Empörung in den Straßen von Havanna zu entfachen.
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