Die Firma als Szenerie: Macht, Druck und Simulation in Kuba



Miguel Díaz-CanelFoto © Juventud Rebelde

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Lo, was wir heute in Kuba mit der Kampagne „Meine Unterschrift für die Heimat“ sehen, ist kein Machtbeweis; es ist in Wirklichkeit das klarste Eingeständnis einer tiefen Schwäche.

Die Initiative, die von Miguel Díaz-Canel vorangetrieben wird, präsentiert sich als patriotische Antwort auf externe Spannungen. Doch es gibt etwas Aufschlussreiches dabei: Wenn eine Regierung massenhaft Unterschriften sammeln muss, um zu beweisen, dass sie das Volk noch immer repräsentiert, gesteht sie, ohne es auszusprechen, dass die tatsächliche Legitimität nicht mehr ausreicht. Sie muss Unterstützung inszenieren. Sie benötigt es, die Zustimmung in ein Ritual zu verwandeln, die Gehorsamkeit in ein Bild.

Und hier ist ein Detail, das viele außerhalb Kubas nicht immer verstehen: Diese Unterschriftensammlungen funktionieren nicht wie in einer offenen Gesellschaft. Sie entstehen nicht spontan oder von unten. Sie werden von den Machtstrukturen organisiert und über Arbeitsstätten, Universitäten, Schulen und staatlich verbundene Organisationen kanalisiert.

In diesem Kontext wird das Unterschreiben selten als völlig freie Option wahrgenommen. Eine direkte Bedrohung ist nicht nötig: es genügt das Umfeld. Es genügt die Angst, aufzufallen, markiert zu werden, sich das Leben schwer zu machen. Es genügt der stille Druck der Gruppe.

Deshalb spricht ein Teil dieser Firmen nicht von Unterstützung, sondern von Anpassung. Sie misst nicht Überzeugung: sie misst Spielraum.

Das Regime versucht, diese Kampagne als Ausdruck der „Zivilgesellschaft“ zu verkaufen, doch was sie tatsächlich zeigt, ist seine Fähigkeit, dieses Netzwerk der alltäglichen Gehorsams zu aktivieren. Als spontan darzustellen, was aus dem Machtapparat hervorgeht, ist keine Volksmobilisierung: es ist eine politische Choreografie.

Und das Problem ist nicht nur die Geste, sondern auch der Zeitpunkt. Kuba befindet sich in einer schweren Krise: langanhaltende Stromausfälle, Mangel, wirtschaftlicher Verfall, ein Leben, das zunehmend erstickend wird. In diesem Kontext hat diese Unterschriftensammlung etwas Obszönes: Während die Menschen Lösungen benötigen, fordert die Macht eine Unterschrift.

Als ob eine Unterschrift einen würdigen Lohn ersetzen könnte. Als ob ein Slogan ein Kraftwerk zum Laufen bringen könnte. Als ob das Wiederholen von "Vaterland" den Hunger lösen könnte.

Außerdem ist in einem System ohne volle politische Freiheiten eine Unterschriftensammlung niemals neutral. Es ist nicht nur Unterstützung: es ist Sichtbarkeit der Unterstützung. Es ist ein Register. Es ist potenzielle Markierung. Es ist auch eine Möglichkeit, sich daran zu erinnern, wer auf der Seite steht und wer nicht.

Hier ist einer der härtesten Schlüssel in diesem Moment: Die Regierung will nicht nur Unterstützung; sie möchte, dass diese Unterstützung sichtbar wird. Sie will Namen, Körper, sichtbare Gesten. Denn der Autoritarismus begnügt sich nicht damit, zu befehlen: Er braucht, dass man sieht, dass er es kann.

Es gibt auch ein offensichtliches Widerspruch. Während die interne Rhetorik zur Konfrontation und zum Schließen der Reihen aufruft, hält die Regierung selbst diplomatische Kontakte zu den Vereinigten Staaten. Diese doppelte Szene zeigt, dass die Kampagne nicht nur auf eine externe Bedrohung reagiert, sondern auch auf ein internes Bedürfnis: die Kohäsion dort zu stärken, wo sie zu schwinden beginnt.

Conviene, es klar zu sagen: eine Sache ist es, jeglichen externen Druck auf Kuba abzulehnen, und eine ganz andere ist es, zu akzeptieren, dass dieser Druck als permanente Ausrede dient, um die innere Untätigkeit zu rechtfertigen. Die kubanische Krise hat nicht nur eine einzige Ursache, und sie auf eine Belagerungserzählung zu reduzieren, ist letztlich eine Form der Verantwortungslosigkeit.

Deshalb ähnelt diese Unterschriftenkampagne weniger einem Akt der Souveränität als vielmehr einem verzweifelten Ausdruck politischer Überlebenswillens. Sie spiegelt eine erschöpfte Macht wider, die keine realen Lösungen hat und erneut auf die Epik zurückgreift, weil sie keine Ergebnisse anbieten kann.

Wenn eine Regierung kein Wohlstand bieten kann, bietet sie Symbole an. Wenn sie keine Zukunft bieten kann, verlangt sie Loyalität. Und wenn sie nicht inspirieren kann, drängt sie.

Die grundlegende Frage ist nicht, wie viele Unterschriften gesammelt werden. Die wahre Frage ist: Wie viele dieser Unterschriften sind frei.

Denn ein freies Volk unterschreibt, was es will. Ein condicioniertes Volk unterschreibt, was es kann. Und dieser Unterschied verändert alles.

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Meinung Artikel: Las declaraciones y opiniones expresadas en este artículo son de exclusiva responsabilidad de su autor y no representan necesariamente el punto de vista de CiberCuba.

Lázaro Leyva

Kubanischer Arzt, Spezialist für Innere Medizin. Lebt in Spanien und schreibt mit kritischem Blick über die Gesundheits- und Sozialkrise in Kuba.