Die Revolution der Gleichgültigkeit: warum die Kubaner von der Macht nichts mehr erwarten



Müdigkeit, Enttäuschung und Apathie. Im Kuba des Jahres 2025 ist die Ernüchterung zur vorherrschenden politischen Sprache geworden. Nach Jahrzehnten unerfüllter Versprechen und endloser Krisen haben die Kubaner aufgehört, auf Lösungen von oben zu warten.

Cubanos im Bus, illustrierte Darstellung nicht echtFoto © CiberCuba

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In Kuba im Jahr 2025 dominieren nicht mehr Wut oder Illusion, sondern etwas Tieferes: die Müdigkeit. Es ist keine Resignation oder Anpassung, sondern Erschöpfung. Es ist die Gewissheit, gelernt durch gebrochene Versprechen, dass sich nichts ändern wird, solange die Macht in denselben Händen bleibt. Angesichts eines Regimes, das seit Jahrzehnten das Elend verwaltet und die Welt für seine Misserfolge verantwortlich macht, haben viele Kubaner beschlossen, sich emotional abzuschotten und ohne Erwartungen zu überleben.

Seit über sechzig Jahren hat die Macht in Kuba von Reden und Parolen überlebt. Reformen, die nie zustande kommen, Pläne, die scheitern, äußere Schuldige, die wie ein Mantra wiederholt werden. Jede unerfüllte Ankündigung, jede wiederholte Lüge hat das wenig verbliebene Vertrauen erodiert. Niemand glaubt mehr an das revolutionäre Wunder. Nicht einmal die, die es öffentlich weiterhin wiederholen.

Das alltägliche Leben ist ein ständiger Beweis für diese stille Niederlage. Endlose Warteschlangen, Stromausfälle, Krankenhäuser ohne Medikamente und Löhne, die nicht zum Essen ausreichen. Das Land funktioniert dank der Überweisungen, der Solidarität unter den Familien und der Erfindungsgabe eines Volkes, das trotz des Staates überlebt. Die Kubaner erwarten keine Lösungen von oben, denn sie wissen bereits, dass es von oben keine Antworten gibt, nur Rechtfertigungen.

Die Macht verwechselt das Schweigen mit Gehorsam, doch das ist ein Irrtum. Was auf den Straßen herrscht, ist keine Loyalität, sondern Überdruss. Die Menschen haben aufgehört zu protestieren, nicht weil sie einverstanden sind, sondern weil sie erschöpft sind. Dissens hat seinen Preis, und die Angst ist zur Gewohnheit geworden. Seit Jahren hat das Regime gelehrt, dass eine eigene Meinung den Job, die Freiheit oder die Zukunft deiner Kinder kosten kann. So wird Apathie durchgesetzt, nicht als echte Gleichgültigkeit, sondern als Abwehrmechanismus.

Viele haben sich entschieden zu gehen. Die Massenemigration ist nicht nur ein wirtschaftliches Phänomen, sondern ein Schrei nach Veränderung. Jeder junge Mensch, der das Land verlässt, stimmt mit den Füßen ab. Für viele ist das Weggehen die einzige freie Entscheidung, die noch Sinn macht. Diejenigen, die bleiben, tun dies aus Unmöglichkeit, nicht aus Hoffnung. Das Exil ist zu dem Raum geworden, in dem die Kubaner das atmen, was ihnen in ihrer Heimat verwehrt wird: Freiheit.

Dennoch schlägt unter dieser Oberfläche der Erschöpfung etwas, das die Macht fürchtet: das Gedächtnis. Das kubanische Volk weiß, wer gelogen hat, wer unterdrückt hat, wer die Heimat zu einem Familienbesitz gemacht hat. Es weiß auch, dass kein System sich ewig auf Elend und Angst stützen kann. Wenn nichts mehr zu verlieren bleibt, wird selbst die Erschöpfung zum Samen des Wandels.

Heute ist Kuba eine erschöpfte Nation, aber nicht besiegt. Hinter jedem leeren Blick verbirgt sich eine Geschichte des stillen Widerstands. Und obwohl das Regime Stabilität vorgibt, wissen alle, dass es in der Hungersnot keine Stabilität gibt, in der Repression keine Souveränität und in der erzwungenen Gehorsamkeit keine Würde. Die Kubaner erwarten nichts vom Machtapparat, denn sie haben längst verstanden, dass echte Hoffnung nur von ihnen selbst kommen kann.

Indifferenz ist also keine Niederlage: sie ist die Pause vor dem Erwachen. Ein Land ohne Hoffnung kann nicht ewig bestehen, und dieser Tag wird, früh oder spät, kommen. Keine Rede wird das verbergen können.

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Luis Manuel Mazorra

(Havanna, 1988) Direktor und Mitbegründer von CiberCuba.