Das kubanische Projekt, das in sozialen Netzwerken als El 4tico bekannt ist, hat erneut eine der sensibelsten Debatten für Kubaner innerhalb und außerhalb der Insel aufgebracht: die Nutzung des US-Embargos als wiederkehrende Erklärung für alle Misserfolge des sozialistischen Modells in Kuba.
In einer Reflexion, die Reaktionen und Kommentare auf digitalen Plattformen ausgelöst hat, hinterfragt das Projekt die Logik der offiziellen Rhetorik, die die Verantwortung für das fehlende Wohlbefinden, die wirtschaftliche Stagnation und das sociale Unbehagen im Land dem Embargo der Vereinigten Staaten zuschreibt.
Laut der Analyse greift das Regime auf ein kontrafaktisches Argument zurück: Die aktuellen Probleme auf etwas zurückzuführen, das „schlimmer gewesen wäre“, wenn die Regierung nicht an der Macht wäre, ist eine Aussage, die unmöglich zu überprüfen ist.
El 4tico stellt eine zentrale Frage: Was genau wird dem cubanischen Volk auferlegt? Das Embargo hindert nicht daran, dass Kuba sozialistisch ist, oder dass die Produktionsmittel kollektiviert werden, noch dass die Arbeitskraft über das Kapital priorisiert wird.
Was laut dem Projekt jedoch eingeschränkt ist, ist der Zugang zu ausländischen Investitionen, zum internationalen Handel und zur Globalisierung, das heißt zu Elementen des kapitalistischen Systems, das das Regime selbst abzulehnen behauptet.
Aus diesem Widerspruch ergibt sich eine tiefere Kritik. Das Projekt stellt fest, dass das Haupthindernis für die Entwicklung Kubas nicht außerhalb des Landes, sondern im Inneren liegt. Es wäre nicht Washington, das den Fortschritt behindert, sondern eine Machtstruktur, die, so die Analyse, die individuelle Freiheit, Kreativität, Innovation, echte Demokratie und das kritische Denken der Bürger "beschränkt".
Der Beitrag hat insbesondere bei Kubanern, die die alltägliche Krise auf der Insel erleben, und unter Emigranten, die das offizielle Narrativ in Frage stellen, Resonanz gefunden. In einem Kontext, der von Stromausfällen, Inflation, massenhafter Migration und sozialer Unzufriedenheit geprägt ist, eröffnen Überlegungen wie die von El 4tico die Debatte darüber, ob das grundlegende Problem Kubas extern ist oder ob, wie viele zunehmend anmerken, das wahre Embargo dasjenige ist, das auf den Freiheiten des eigenen Volkes lastet.
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