"Morón libre": Das Bild des brennenden Hahns, das die Kubaner berührt

Der brennende Hahn von MorónFoto © Instagram / Asiel Barbastro

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Ein Bild began in den sozialen Medien zu kursieren und wurde innerhalb weniger Stunden zu einem Symbol. Es ist kein echtes Foto, sondern eine künstlerische Kreation: ein Hahn, der in Flammen gehüllt ist, mit der Aufschrift "Morón libre".

Der kubanische Filmemacher Asiel Babastro, der genau aus der Stadt Ciego de Ávila stammt, teilte es auf seinem Instagram-Account. Und es dauerte nur wenige Stunden, bis die Illustration viral wurde.

Der Hahn ist keine gewöhnliche Figur. Er ist das bekannteste Symbol von Morón, einer Stadt, die sogar ein Bronzedenkmal diesem Tier gewidmet hat, das am Eingang der Gemeinde steht. Seit Jahrzehnten ist er Teil der lokalen Identität: stolz, herausfordernd, wachsam.

In das Werk von Babastro tritt dieser Hahn in Flammen gehüllt auf, als ob der eigene Geist des Volkes entfacht worden wäre.

Und viele Kubaner verstanden die Botschaft sofort.

Ein Bild, das zum Schrei wurde

Die Kommentare zu dem Beitrag zeigen, inwieweit das Bild eine tiefe Empfindung berührt hat.

Die Model und Schönheitskandidatin Ariday Villar, die Ciego de Ávila beim nationalen Wettbewerb vertreten hat, hinterließ eine kurze, aber eindringliche Botschaft: "Cuba libre".

Die ebenfalls als Model tätige Milena Rivalta schrieb: "Gott beschütze Kuba. Freiheit!".

Andere Internetnutzer griffen auf Metaphern zurück, um das, was geschah, zu beschreiben.

„Der mutige Hahn ist auf der Straße“, bemerkte einer und deutete darauf hin, dass das Symbol von Morón sich in die Darstellung eines Volkes verwandelt hatte, das beschlossen hatte, nicht mehr still zu bleiben.

Ein anderer Nutzer erinnerte an ein historisches Ereignis im Kampf gegen die Diktatur von Fulgencio Batista, als junge Revolutionäre an diesem Tag im Jahr 1957 den Präsidentenpalast und den Sender Radio Reloj angriffen.

"Die Geschichtsbücher, die von Kommunisten geschrieben wurden, haben uns immer gesagt, dass diese Jugendlichen Helden waren. Gestern geschah etwas Ähnliches in Morón, und die Kommunisten sprechen von Vandalismus", fragte er.

Der Vergleich spiegelt ein Gefühl wider, das viele Kubaner in der Veröffentlichung zum Ausdruck brachten: Die Geschichte ändert sich je nachdem, wer sie erzählt.

Andere Kommentare waren einfache Ausbrüche der Emotion: "Es lebe das kommunismusfreie Kuba, carajoooooo"; "Lass uns unsere eigene Geschichte schreiben. Keine Lügen mehr, kein Kommunismus mehr", und "Hoch lebe Kuba, es ist Zeit für deine Freiheit", schrieben drei Nutzerinnen.

Und jemand fasste die Szene mit einem Satz voller Symbolik zusammen: „Der emblematische Hahn von Morón, der nach Freiheit fragt.“

Der Künstler hinter dem Bild

Die symbolische Bedeutung des Werkes überrascht nicht, wenn man den Werdegang von Babastro kennt.

Geboren 1989, hat der Regisseur Anerkennung als Director, Drehbuchautor, Editor und Art-Direktor erlangt, insbesondere in der Welt der Werbung, des Musikvideos und des Independent-Kinos.

Seine Arbeit zeichnet sich oft durch eine sehr sorgfältige Ästhetik und den Gebrauch von visuellen Symbolen aus, die mit der kubanischen Realität verbunden sind.

Babastro ist auch bekannt dafür, das Musikvideo zu "Patria y Vida" gedreht zu haben, einem Lied, das während der Proteste am 11. Juli in Kuba zu einer Hymne wurde.

Deshalb verstanden viele, als er den im Flammen gehüllten Hahn veröffentlichte, dass es sich nicht nur um eine Illustration handelt: Es ist eine Erklärung.

Eine Stadt, die die Angst verloren hat

Das Bild wurde nur wenige Stunden nach einer Nacht verbreitet, die bereits Teil der Geschichte von Morón ist.

Mitten in langen Stromausfällen, Lebensmittelknappheit und einem immer sichtbarer werdenden Verfall der Lebensbedingungen gingen Dutzende von Nachbarn auf die Straßen, schlugen mit Töpfen und schrien nur ein Wort, das immer wieder zu hören war: "Freiheit!".

Mitten in der Protestaktion ereignete sich eine tiefsymbolische Szene. Mehrere Demonstranten gelangten in die Zentrale der Kommunistischen Partei Kubas.

Sie brachten Propaganda, Bilder, Möbel und politische Porträts heraus. All das wurde auf der Straße angesammelt. Und dann verwandelte es sich in ein großes Feuer.

In Kuba haben immer viele Dinge gefehlt: Lebensmittel, Medikamente, Elektrizität, Transport. Aber es hat an Parolen, Plakaten und politischer Propaganda nicht gemangelt.

Am Freitagabend beschlossen die Nachbarn von Morón, ihnen eine andere Verwendung zu geben: Sie verwandelten sie in Brennstoff.

Die Antwort der Macht

Die Reaktion der Behörden folgte einem für viele Kubaner bekannten Muster.

Es gab Berichte über Schüsse, Polizeipräsenz und Beschwerden, dass ein junger Mann inmitten der Spannungen verletzt wurde.

Es wurde auch der Ausfall des Internetdienstes gemeldet, was es erschwerte, Bilder in Echtzeit von dem, was geschah, zu verbreiten.

Es ist eine Formel, die das Regime in Krisenzeiten wiederholt angewendet hat: Repression, Informationssperren und offizielles Schweigen.

Und dennoch gingen die Leute hinaus.

Die Bedeutung einer Nacht

Was in Morón geschah, änderte das politische System nicht über Nacht. Es hinterließ jedoch ein starkes Bild: gewöhnliche Bürger, die ihre Angst verloren.

Deshalb hat die Darstellung des brennenden Hahns so stark resoniert. Denn viele Kubaner sahen darin mehr als ein lokales Symbol. Sie sahen eine Metapher für den Moment, den das Land durchlebt.

Der Hahn - stolz, herausfordernd - verwandelt in Feuer.

Ein Feuer, das an etwas Gefährliches für jede autoritäre Macht erinnert: Wenn die Menschen die Angst verlieren, breiten sich die Ideen aus. Wie die Flammen.

Und vielleicht zirkuliert das Bild deshalb weiter. Denn viele Kubaner empfinden, dass dieser angestachelte Hahn nicht nur Morón ist.

Es ist Kuba, das aufwacht.

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