Inmitten einer der schlimmsten Energiemangelkrisen, die Kuba seit Jahrzehnten erlebt, bagatellisierte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, die Lieferung von russischem Öl an die Insel und versicherte, dass nicht Moskau, sondern tatsächlich Vladimir Putin der Verlierer ist.
„Er verliert ein Ölschiff. Das ist alles“, erklärte der Staatschef, als er zur Ankunft des russischen Tankers Anatoli Kolodkin befragt wurde, der mit etwa 730.000 Barrel Rohöl beladen ist.
Die Erklärung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für Millionen von Kubanern, die seit Monaten mit verlängerten Stromausfällen, Treibstoffmangel und einer beschleunigten Verschlechterung der Lebensbedingungen konfrontiert sind. Das Schiff, das bereits in Matanzas angekommen ist, stellt die erste große Lieferung von Rohöl seit fast drei Monaten dar und reicht gerade aus, um die Krise vorübergehend zu lindern.
Dennoch bestand Trump darauf, dass diese Lieferung die politische oder strategische Lage nicht verändert. Seiner Ansicht nach ist die Erlaubnis zur Einfuhr von Öl keine Zugeständnis an Russland, sondern eine pragmatische Entscheidung inmitten einer extremen humanitären Situation.
Der Präsident verteidigte, dass er keine Einwände dagegen hat, dass andere Länder Treibstoff auf die Insel senden, und betonte, dass die Bevölkerung Elektrizität zum Überleben benötigt, während er seine scharfen Kritiken an der kubanischen Regierung, die er als corrupt und zukunftslos bezeichnete, wiederholte.
Die Erklärung, die an Bord von Air Force One abgegeben wurde, zeigt einen anderen Ansatz als die Konfrontationsrede, die Washington vor Wochen gehalten hatte, als mit Sanktionen gegen jedes Land gedroht wurde, das Kuba mit Treibstoff versorgte.
Auch der Kreml selbst bestätigte, dass dieser Schritt nicht improvisiert war. Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitry Peskov, versicherte, dass Moskau zuvor mit den Vereinigten Staaten über diese humanitären Sendungen diskutiert habe, berichtete die Agentur TASS.
„Dieses Thema wurde bereits im Vorfeld während der Kontakte mit unseren amerikanischen Kollegen angesprochen“, merkte Peskov an und ließ durchscheinen, dass die Ankunft des russischen Öls die Zustimmung Washingtons fand.
Für die Kubaner hingegen ist die geopolitsche Debatte weit von der täglichen Realität entfernt. Auf der Insel hat der Mangel an Treibstoff zu Stromausfällen von über 30 Stunden, einer Stilllegung des Verkehrs und schweren Beeinträchtigungen der Grundversorgung geführt.
Das russische Öl, obwohl kurzfristig von entscheidender Bedeutung, löst das zugrunde liegende Problem nicht. Es bietet lediglich eine Atempause inmitten einer strukturellen Krise, die das Land an den Rand des Abgrunds führt.
Während Washington und Moskau Botschaften austauschen, ist das Leben in Kuba weiterhin von Unsicherheit geprägt: Ein Schiff kann ankommen… aber die Dunkelheit geht für viele nicht weg.
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