Drei Haltungen der Kubaner gegenüber einem möglichen politischen Wechsel in Kuba

Capitolio von Havanna (Referenzbild)Foto © CiberCuba

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Die Debatte über die politische Zukunft Kubas ist in eine neue Phase eingetreten. Mit Anzeichen internationaler Druckausübung und diplomatischen Gesten des Regimes zeichnet sich innerhalb und außerhalb der Insel eine von drei großen Positionen unter den Kubanern ab, was für eine Art von Wandel im Land möglicherweise unmittelbar bevorsteht.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, erklärte kürzlich, dass Kuba "verhandeln möchte" und deutete an, dass ein Abkommen relativ einfach erreicht werden könnte.

Gleichzeitig erklärte die Botschafterin Kubas in Washington, Lianys Torres Rivera, dass Havanna weiterhin bereit ist, mit der US-Regierung über die wichtigsten Themen der bilateralen Beziehungen zu dialogieren.

Drei Haltungen gegenüber dem möglichen Wandel

In diesem Kontext organisiert sich die öffentliche Debatte unter Kubanern – innerhalb und außerhalb der Insel – um drei große Positionen.

1. Diejenigen, die einen echten, keinen kosmetischen Wandel fordern

Für viele Kubaner besteht die Hauptsorge darin, dass eine mögliche internationale Verhandlung in einem oberflächlichen Wechsel an der Spitze der Macht endet, ohne die Struktur des Systems zu verändern.

Die zentrale Frage der Debatte ist, ob eine echte Übergangsphase zur Demokratie vorbereitet wird oder lediglich eine politische und wirtschaftliche Vereinbarung mit der Macht, die derzeit das Land kontrolliert.

Laut verschiedenen Analysten sollte ein echter Übergang mindestens einige grundlegende Elemente umfassen:

  • Die Befreiung aller politischen Gefangenen
  • Die effektive Anerkennung der Meinungsfreiheit
  • Eine Neudefinition der Rolle der Streitkräfte
  • Eine Prüfung des militärisch-wirtschaftlichen Konglomerats GAESA

2. Diejenigen, die eine Änderung wünschen, sollten dies so früh wie möglich tun

Für einen großen Teil der Bevölkerung, die auf der Insel lebt, ist die politische Debatte im Vergleich zur Dringlichkeit des Alltags nebensächlich.

Wer Kuba besucht, beschreibt eine Umgebung, die von Armut, Müll überall, Stress und städtischem Verfall geprägt ist. Wenn man sie fragt, ob sie Wünsche nach Veränderung in der Bevölkerung wahrnehmen, ist die Antwort oft eindeutig: „Ja, sie wollen Veränderung.“

In vielen Fällen lässt sich das Streben auf eine einfache Idee reduzieren: Freiheit und die Möglichkeit, normal zu leben.

Diese Bevölkerungsgruppe diskutiert keine Übergangsmodelle oder institutionellen Formeln. Ihre Haltung ist im Wesentlichen pragmatisch: Jede Lösung, die die gegenwärtige Krise lindert, wäre willkommen.

3. Die Eliten des Regimes bereiten sich darauf vor, zu überleben

Eine dritte Position betrifft die Sektoren, die mit der politischen und wirtschaftlichen Macht des Systems verbunden sind.

Diese Eliten würden sich bereits auf ein mögliches Szenario des Wandels einstellen. Sie haben privilegierten Zugang zu Gütern und Dienstleistungen und haben begonnen, neue Wege der wirtschaftlichen Umstrukturierung zu erkunden, einschließlich der indirekten Kontrolle von Privatunternehmen und kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Das Dekret-Gesetz 144, das Ende 2025 verabschiedet und im März 2026 veröffentlicht wurde, ermöglicht Partnerschaften zwischen Staatsunternehmen und privaten Akteuren und wurde von einigen Ökonomen eher als ein Signal nach außen denn als eine strukturelle Reform des Systems interpretiert.

Die große Debatte: Transition oder „Cubastroika“

Die politische Macht in Kuba bleibt weiterhin im Besitz der Kommunistischen Partei, des staatlichen Sicherheitsapparats und des militärischen Unternehmensverbunds GAESA.

Einige Analysten warnen, dass die Fokussierung jeglicher Verhandlungen ausschließlich auf den Rücktritt von Miguel Díaz-Canel in einem bloßen Führungswechsel ohne tiefgreifende Veränderungen im System resultieren könnte.

Sie weisen auch darauf hin, dass, obwohl die Familie Castro keine sichtbaren Ämter mehr innehat, ihre Einflussnetzwerke im politischen und militärischen Apparat weiterhin bedeutend sind.

In diesem Kontext taucht ein zunehmend in der Debatte erwähntes Konzept auf: die "Cubastroika", eine mögliche Strategie für begrenzte wirtschaftliche Reformen ohne echte politische Öffnung.

Drei mögliche Szenarien

Angesichts der aktuellen Krise identifizieren die meisten von CiberCuba konsultierten Analysten drei Hauptszenarien für die unmittelbare Zukunft des Landes:

  • Verhandelte Transition: Freilassung politischer Gefangener, Legalisierung der Opposition, schrittweise wirtschaftliche Öffnung und ein überwachsames Wahlkalender.
  • Unordentlicher Zusammenbruch: Implosion des Systems ohne vorherige Vereinbarung, mit dem Risiko eines Machtvakuums und dem Einfluss externer Akteure.
  • Externe Imposition: ein Szenario, das durch eine Migrationskrise oder einen inneren Ausbruch verursacht wird und eine internationale Intervention, insbesondere der Vereinigten Staaten, erforderlich macht.

Faktoren, die den Wandel beschleunigen

Verschiedene strukturelle Faktoren üben Druck auf das kubanische politische System aus:

  • Das BIP des Landes ist seit 2019 um etwa 11 % gesunken.
  • Mehr als 2,7 Millionen Kubaner haben die Insel seit 2020 verlassen.
  • Der Sturz des Regimes von Nicolás Maduro in Venezuela hat die Lieferung von subventioniertem Öl unterbrochen, das bis zu 90 % des kubanischen Energieverbrauchs gedeckt hatte.

Eine Veränderung, die viele bereits als unvermeidlich betrachten

Für zahlreiche Analysten dreht sich die Debatte nicht mehr darum, ob Kuba sich verändern wird oder nicht, sondern vielmehr darum, wie dieser Wandel stattfinden wird und wer ihn kontrollieren wird.

Unter den Kubanern, die den Prozess am aufmerksamsten verfolgen, gibt es auch Besorgnis: dass eine internationale Verhandlung dazu führen könnte, dass die wirtschaftlichen und militärischen Strukturen des Regimes erhalten bleiben, was einen bloßen Tapetenwechsel ohne echte Demokratisierung zur Folge hätte.

Gleichzeitig warnen andere, dass je länger eine geordnete Übergabe auf sich warten lässt, desto größer die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Wandel letztendlich von externen Faktoren erzwungen wird.

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